Apple iPad: Flache Aussichten

Nun ist es also offiziell: Apple hat seinen Tablet-PC vorgestellt und die Datenflunder iPad getauft. Auch wenn das vielleicht nicht die geschickteste Namenswahl war, so scheint das Gerät revolutionäres Potential zu besitzen. 177.000 Nachrichten in der ersten Stunde während der gestrigen Präsentation sind ein Indiz dafür, wie sehr Steve Jobs mit dem iPad den Nerv der Zeit getroffen zu haben scheint. Doch auch dieses Apple-Produkt ist nicht ohne Fehler.
Zwar hat das iPad sofort bei vielen Apple-Fans – bei mir auch, das will ich gar nicht verschweigen – Pawlowsche Reflexe ausgelöst, so gibt es einige Punkte, die mich stören und mich an die alte Regel erinnern: “Kaufe niemals eine erste Generation!”
Schick ist das Teil allemal, superflach, superleicht. 10 Stunden Batterielaufzeit klingen auch nicht so schlecht. Allerdings muss hier noch geklärt werden, ob es sich um reale oder um Apple-Stunden handelt. Verpasst hat Apple, ein OLED-Display zu verbauen, aber vielleicht war das angesichts der aggressiven Preispolitik, die Jobs vorstellte, nicht drin. Denn das “kleinste” iPad – 16 GB und kein 3G – kostet 499 Dollar. Da dürfte so manchem im Auditorium kurz das Herz stehengeblieben und gleichzeitig aus der Brust gesprungen sein. Ein echter Kampfpreis.
Zudem ist das iPad an keinen Datenvertrag gekoppelt. Sorgen bereitet mir allerdings die Tatsache, dass das iPad zumindest in den Staaten nicht mit T-Mobile funktionieren soll. Man wird sehen, welche Lösung Apple für Europa vorstellt.
Ein echtes Versäumnis ist auch das fehlende Multitasking, denn das iPad kann jeweils nur ein Programm ausführen. Gerade hier verschenkt Apple revolutionäres Potential, denn wäre das iPad multitaskingfähig, hätte Steve Jobs mit einem Wisch den kompletten Netbook-Markt vom Tisch fegen können. Warum bringt Apple nicht Spaces auf iPhones und das iPad raus? Schon wäre das Problem gelöst. Aber wie gesagt, kaufe niemals eine erste Generation.
Die fehlende Kamera, die etwa Chatten und Videotelefonie über das Internet ermöglicht hätte, vermisse ich auch. In den MacBooks hat Apple doch schon gezeigt, dass so was platzsparend und schick verbaut werden kann. Auch dass das Display 4:3 statt natives 16:9 darstellt, scheint mir nicht sonderlich durchdacht. Oder übersehe ich etwas?
Ich vermisse auch die Möglichkeit, das iPad direkt an einen Beamer anzuschließen. Immerhin wäre dieses Teil so die ultimative Präsentationsmaschine. Schließlich wird mir doch eine iPad-eigene Keynote-Version angeboten. Gizmodo hat noch mehr zu meckern, aber dem will ich mich nicht anschließen.
Eine Andeutung einer Revolution ist für aber neben all den netten Apps und des GUI der Apple-eigene Chip A4, der im iPad verbaut wird. Emanzipiert sich da ein Unternehmen langsam, aber sicher von Chipherstellern? Dass Apple sich besonders gut fühlt, wenn sie alles allein herstellen können, wissen wir spätestens seit den Mac-Clones, die eines der dunkelsten Kapitel in der Geschichte des Apfels darstellen.
Werde ich mir ein iPad kaufen? Aber sicher! Nur nicht die erste Generation.

[...] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von Dirk Kirchberg, Dirk Kirchberg, Andreas Streim, Lars Heidemann, Nils Rubi und anderen erwähnt. Nils Rubi sagte: RT @Kirchberg: Habe einige Gedanken zum Apple iPad gebloggt: "Flache Aussichten" http://j.mp/9DfmYa [...]